Motorische Störungen - Rehabilitation
von Dr. Carsten Schröter
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| Günstige
prognostische Faktoren: |
Ungünstige
prognostische Faktoren: |
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Kleine Schädigungen Erhaltene Tiefensensibilität (Lagesinn) Gute kognitive Funktionen, z.B: Konzentration, Aufmerksamkeit etc. |
Tiefensensibilitätsstörungen
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Rehabilitation
motorische
Störungen – Konventionelle krankengymnastische Therapiekonzepte
Welche Bedeutung haben die
traditionellen physiotherapeutischen Behandlungskonzepte? Weit verbreitet werden
die von Bobath und Vojta entwickelten Methoden sowie die propriozeptive
neuromuskuläre Fazilitation (PNF) eingesetzt. Ebenso wie die Verfahren nach
Affolter und Perfetti hat keine dieser Methoden je die Überlegenheit
über eine andere Methode belegen können. Selbstverständlich werden
verschiedene dieser Therapieformen auch in unserer Klinik angewendet. An dieser
Stelle sollen sie aber nur am Rande Erwähnung finden. Im Mittelpunkt stehen die
neueren Therapiemethoden.
Rehabilitation
motorische
Störungen – Repetitives Üben
Dagegen wurden in den letzten
Jahren zunehmend Behandlungsverfahren entwickelt, deren überlegene Wirksamkeit
dargelegt werden konnte. Dies gilt besonders gut für das repetitive
(wiederholte) Üben. Beispielsweise erreichten Bütefisch und Mitarbeiter
(1995) durch zweimal täglich für jeweils 15-20 Minuten repetitive Streckung
und Beugung der funktionsgestörten Hand nach einem Hirninfarkt eine
Verbesserung der Kraft und Beschleunigung der Bewegung. Aspekte des repetitiven
Übens finden in verschiedener Weise Eingang in die heutige Rehabilitation
motorische
r Störungen.
Rehabilitation
motorische
Störungen – Forced Use-Therapie
Die besonders von Taub
propagierte Methode des erzwungenen Gebrauchs (Forced use, Constraint induced
therapy) basiert auf dem anhaltenden Training der funktionsgestörten
Extremität. Die gesunde Extremität wird derweil durch eine Schiene
immobilisiert. Das Verfahren wurde insbesondere für die Hand untersucht. Es
erfolgte für mehrere Tage ein über Stunden anhaltendes Training der
funktionsgestörten Hand mit dem Resultat einer deutlichen Verbesserung der
Funktionen und dem Nachweis einer Vergrößerung der kortikalen Repräsentationsfläche.
Die Methode war auch noch Jahre nach Auftreten der Hirnschädigung wirksam.
Rehabilitation
motorische
Störungen – Gangtraining mit partieller Körpergewichtsentlastung
Das Laufband mit partieller
Körpergewichtsentlastung ermöglicht ebenfalls ein aufgabenspezifisches
repetitives Training. Es wurde erst bei paraparetischen Patienten (Lähmungen im
Bereich beider Beine) eingesetzt (Barbeau et al. 1987, Wernig et al., 1992).
Inzwischen wurden die Effekte auch bei Patienten mit einer Hemiparese (Lähmung
einer Körperhälfte) belegt (Hesse und Mitarbeiter, 1994). Hesse nutzte dabei
ein A-B-A-Schema, wobei die Patienten zuerst 3 Wochen auf dem Laufband (A), dann
3 Wochen mit konventionaler Physiotherapie (B) und zuletzt schließlich wieder 3
Wochen auf dem Laufband (A) trainiert wurden. Unter der Behandlung auf dem
Laufband besserten sich die Gehfunktionen der 14 nicht gehfähigen chronisch
hemiparetischen Patienten, nicht jedoch unter der konventionellen
Physiotherapie. Da bei diesem Verfahren das geschwächte Bein des Patienten
durch den Therapeuten bewegt wird und dabei auch auf die Bewegung in Hüfte und
Knie geachtet werden muss, handelt es sich um eine für den Therapeuten sehr
anstrengende Behandlung in unergonomischer Körperhaltung.
Aus
diesem Grunde erfolgte die Entwicklung eines speziellen Gangtrainers
durch Hesse und Mitarbeiter. Auch hierbei erfolgt eine partielle Körpergewichtsentlastung
durch ein Gurtsystem, die Füße des Patienten werden auf 2 Plattformen bewegt.
Dabei werden die Körperbewegungen in horizontaler und vertikaler Richtung beim
Gehen durch die Aufhängung berücksichtigt. In einer kleinen Studie aus dem
Jahre 2002 konnten Hesse und Mitarbeiter zeigen, dass unter der Laufbandtherapie
wie auch im Gangtrainer vergleichbare Ergebnisse bei Patienten mit bereits länger
bestehender Gehstörung auf dem Boden eines Schlaganfalls erreicht wurden.
Der Gangtrainer
Rehabilitation
motorische
Störungen
– Elektrostimulation
In den letzten Jahrzehnten
erhielt die Elektrostimulation bei zentralen Lähmungen wechselnde
Bedeutung. Besonders bestand die Sorge, durch die Elektrostimulation eine
Zunahme der spastischen Tonuserhöhung zu bewirken. Durch die EMG-getriggerte Elektrostimulation
konnte dagegen sowohl eine Zunahme von Funktionen wie auch eine Abnahme der
spastischen Tonuserhöhung festgestellt werden. Bei diesen Verfahren führt der
Patient initial eine Willkürbewegung
durch, soweit ihm dies mit den paretischen Muskelgruppen möglich ist. Es wird
das Oberflächen-EMG untersucht. Nach Überschreiten einer einstellbaren
Schwelle wird bei maximaler Willkürbewegung der Muskel zusätzlich elektrisch
stimuliert. Zeitgekoppelt mit der willkürlich initiierten und durch das Gerät
komplettierten Bewegungsausführung wird dem Gehirn mittels Propriozeption die
Bewegung rückvermittelt. Es wird von der sogenannten sensomotorischen Kopplung
gesprochen. Der Effekt dieser Methode tritt nicht auf, wenn die
Elektrostimulation nicht an eine Willkürbewegung gekoppelt wird. Der Effekt der
Therapie ist vergleichbar mit dem repetitiven Üben. Nach meiner klinischen
Einschätzung hat die EMG-getriggerte Elektrostimulation aber Vorteile, wenn höhergradige
Paresen (Kraftgrad 1-3) bestehen, Studien existieren mit dieser Fragestellung
allerdings nicht.
Ein weiteres gewinnbringendes
Verfahren ist die funktionelle Elektrostimulation. Einfach kann dies
beispielsweise für die Fußhebung durchgeführt werden. Unter der Fußsohle
wird ein Kontakt angebracht, der sich schließt, wenn die Ferse vom Boden
gehoben wird, was am Ende der Standbeinphase geschieht. Es wird dann der N.
peronaeus elektrisch stimuliert und dadurch die Fußhebung durchgeführt bis zum
Ende der Schwungbeinphase, wenn die Ferse wieder auf dem Boden aufsetzt. Bei
zentralen Fußheberparesen (Fußheberlähmung nach einer Schädigung von Gehirn
oder Rückenmark) gelingt es dem Patienten rascher ein normales Bewegungsmuster
einzuüben. Auch hierbei spielen die Aspekte der sensomotorischen Kopplung und
der Repetition eine wichtige Rolle.
Rehabilitation
motorische
Störungen
– Medikamentöse Therapiemöglichkeiten
Zunehmend werden auch medikamentöse
Therapieoptionen in die Rehabilitation
motorische r
Störungen einbezogen. Zunächst ist darauf zu achten, dass Medikamente, die das
motorische Lernen beeinträchtigen, beispielsweise Neuroleptika, Benzodiazepine
oder anticholinerg wirksame Medikamente möglichst nicht eingesetzt werden.
Einen positiven Effekt für die funktionelle motorische Erholung nach einem
cerebralen (das Gehirn betreffenden) Gefäßprozess
wiesen in einer Studie, die im Lancet im Jahre 2001 publiziert wurde,
Scheidtmann und Mitarbeiter für den Einsatz von L-Dopa in Kombination
mit Physiotherapie nach. Ein ähnlicher Effekt wurde durch 10 mg D-Amphitamin
vor der Physiotherapie von Walker-Batson und Mitarbeitern im Jahre 1995
nachgewiesen. Unabhängig von dem Vorliegen einer Depression zeigten Dam und
Mitarbeiter (Stroke 1996), dass durch 20 mg Fluoxetin/die die Gehfähigkeit
und Selbständigkeit von Patienten gefördert wurde. Ebenfalls als
empfehlenswert werden Sertralin und Citalopram angesehen. Es muss
allerdings derzeit offen bleiben, ob der Effekt wirklich durch eine Verbesserung
des motorischen Lernens oder nicht doch durch eine Minderung der sogenannten
Post-stroke Depression bedingt ist.
Der Einsatz von Botulinum-Toxin
wird insbesondere durch die hohen Kosten limitiert. Eine Verbesserung des
Gangbildes bei hemiparetischen Patienten nach Injektion von Botulinum-Toxin in
die Wadenmuskulatur wurde nachgewiesen, belegt ist auch die Minderung der
spastischen Tonuserhöhung im Bereich des Armes durch das Medikament, eine
Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Armes wurde dagegen noch nicht
ausreichend belegt.
Weiter ist der Einsatz von Hilfsmitteln
sinnvoll, um durch Kompensation den Bewegungsradius des Patienten und die Selbständigkeit
zu verbessern, ihm mehr Möglichkeit zum Üben zu geben oder aber eine
ausreichende Sicherheit zu bewirken.
Hilfsmittel in der
Rehabilitation
motorische
Störungen (Auswahl):
Rehabilitation
motorische
Störungen
– Zusammenfassung
In den letzten Jahren haben sich zunehmend Behandlungskonzepte herauskristallisiert, deren Wirksamkeit durch eine Verbesserung der motorischen Funktion und eine Zunahme der cerebralen Repräsentationsareale belegt wurde. Zentrale Gesichtspunkte sind das aufgabenspezifische Üben und die Repetition der durchgeführten Aufgaben. Zunehmende Bedeutung in den nächsten Jahren wird voraussichtlich zur Ergänzung des therapeutischen Mosaiks die Pharmakotherapie bekommen.
Abschließend ist festzustellen, dass die Rehabilitation motorische Störungen immer individuell zu planen und durchzuführen ist. Dabei werden durch Arzt und Therapeuten für den einzelnen Patienten aus den traditionellen hier nur am Rande angesprochenen und den neuen Konzepten und Therapieformen jeweils die effektivsten Maßnahmen zusammengestellt und angewendet.
Mit
den besten Wünschen, insbesondere für Ihre Gesundheit
Dr. med. Carsten Schröter
Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
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